• Preisverleihung 2018

Schnorrkurs: "Wie werde ich meine Straßenzeitung los?"

André Hoek, Obdachlosen-Uni Dozent und ehemaliger Straßenfeger-Verkäufer hielt einen Vortrag an der Alice-Salomon-Hochschule. Lest hier seinen Bericht:

Mein Name ist André Hoek und ich war bis vor kurzem noch obdachlos. Inzwischen habe ich wieder eine eigene Wohnung und bald auch wieder eine feste Arbeit. Die Wartezeit auf die Wohnung habe ich beim Synergetik e.V. in Berlin Friedrichshain verbracht. Dort lernte ich Maik Eimertenbrink kennen, der dort die Angebote der Obdachlosen-Uni Berlin vorstellte.

Die Pläne von Maik begeisterten mich und wir tauschten unsere Kontaktdaten aus.

Kurze Zeit später erhielt ich eine E-Mail von Maik, in der er anfragte, ob ich dazu bereit wäre vor einer Gruppe von Studierenden der Alice-Salomon-Hochschule in Hellersdorf einen Vortrag über Straßenzeitungen zu halten.

Da ich als Obdachloser meinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf des Straßenfegers verdient hatte und mir bedingt durch eigene Erfahrungen auf der Straße die Belange der obdachlosen Menschen sehr am Herzen liegen, sagte ich kurz entschlossen zu.

Besonders ausschlaggebend für meine Zusage war der folgende Sachverhalt:

Unter den Menschen die nicht unmittelbar mit dem Thema konfrontiert sind, gibt es sehr viele schlichtweg falsche Annahmen über Obdachlose. Die meisten halten sich sehr hartnäckig wie zum Beispiel die Geschichte von der Spinne in der Bananenkiste im Supermarkt.

Da die jungen Studierenden diejenigen sind, die morgen an den Schaltknöpfen sitzen, dachte ich mir, dies wäre genau die richtige Klientel für mein Anliegen. Das ich den jungen Leuten bei ihren Forschungsprojekten helfen konnte war für mich persönlich eher zweitrangig. Doch wer etwas haben möchte, muss auch etwas geben. Wir hatten also eine perfekte Win-Win-Situation.

Gleich vorneweg, der Vortrag hat mir wirklich viel Spaß gemacht.

Die Studenten wussten dank ihrer Professorin Susanne Gerull erstaunlich viel über die Thematik.

Ich begann den Vortrag mit einer kurzen Einführung in das Thema und bat dann die Studenten Fragen zu stellen. Und diese prasselten dann auch für 1,5 Stunden auf mich ein.

Was mir besonders gefallen hat, war das wirkliche Interesse der jungen Leute. Sicher, zum Teil war es irgendwo ein abstraktes Studienthema, doch im Verlauf des Vortrages änderte sich nach meinem Empfinden die gesamte Situation. Ich war bemüht das Thema nicht “vom grünen Tisch” aus zu behandeln, sondern garnierte das ganze mit vielen kleinen Erlebnissen die mir selbst passiert sind. Dadurch wurde das Ganze sehr lebendig. Dies konnte man an der Qualität der Fragen sehr deutlich merken. Der Vortrag wurde sehr lebendig und ging zum Teil noch bis in die Mittagspause hinein.

Anschließend lud mich Frau Gerull noch in die Mensa zum Mittagessen ein, wo sich noch weitere Gespräche mit den Studenten ergaben.

Mir persönlich hat die ganze Sache sehr gut gefallen und nach dieser Erfahrung bin ich für weitere Vorhaben dieser Art jederzeit erneut zu haben.

André Hoek

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