• Preisverleihung 2018

Ein Lichtenberger Netzwerk entsteht

Nach und nach besuche ich also die Lichtenberger Einrichtungen für Wohnungslose. Nachdem in der Wohnungslosenunterkunft Paul-Gesche-Straße verschiedene Themenfelder eruiert wurden (ich berichtete), besuchte ich auch den Tagestreff in der Weitlingstraße und agens.

In der Wohnungslosenunterkunft Paul-Gesche-Str. 9 wurden u. a. Fahrradtouren durch den Bezirk und Schach angefragt. Ich hatte daraufhin Gespräche bzw. E-Mail-Austausch mit dem SG Lichtenberg, Schach für Jugendliche und Erwachsene. Der Verein war spontan bereit, Schach in der Wohnungslosenunterkunft anzubieten bzw. erstmal zu hören, was da genau auf sie zukommen könnte. In der Zwischenzeit organisierte sich jedoch schon unter den Bewohnern eine Schachgruppe in Eigenverantwortung. Die Experten aus der Schachgruppe sollten evtl. erst später dazu geholt werden.

Ein weiterer Wunsch der Bewohner in der Paul-Gesche-Str. 9 war eine Fahrradtour und Lichtenberger Sehenswürdigkeiten. Tine von unterwegsinberlin kennt sich in Lichtenberg gut aus und war spontan bereit, eine geführte Fahrradtour in Lichtenberg mit den Bewohnern zu veranstalten und evtl. auch Fahrräder bei Verleihstationen anzufragen.

Ein Stadtführer, der sich auf Touren durch das Dong Xuan Center spezialisiert hat, erklärte sich bereit gegebenenfalls vor Ort über das vietnamesische Leben in Lichtenberg zu referieren. Einer geführten Fahrradtour mit Zwischenstopp steht also nichts mehr entgegen. Sollten wir den Kurs vielleicht Lichtenberger Stadtkunde nennen? Mal schauen.

Auch das Treffen bei agens war sehr aufschlussreich. Agens hat eine Holz- und Fahrradwerkstatt, die gegebenenfalls von den „Studentinnen und Studenten“ der Obdachlosen-Uni Berlin genutzt werden können. Bei agens werden auch Theateroutfits und –masken erstellt, die für einen eventuellen späteren Theaterkurs an der Obdachlosen-Uni in Lichtenberg genutzt werden könnte. Im Brückeladen in Schöneweide gibt es ja bereits einen Theaterkurs der Obdachlosen-Uni Berlin. Prinzipiell wäre die Leiterin des Kurses, Jill, auch daran interessiert, eine weitere Theatergruppe in Lichtenberg zu gründen.

Soweit ist es von Schöneweide nach Lichtenberg gar nicht. Gut, Lichtenberg ist groß, aber vom Brückeladen Schöneweide zu den Werkstätten von agens sind es nur wenige Stationen.

Bei agens kann man übrigens Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigungen bekommen. Für den Hinterkopf und für Leute, die ich in den Wohnungsloseneinrichtungen antreffe. Und: die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigungen reparieren Fahrräder und stellen Holzspielzeug her. Die Fahrräder werden dann an soziale Einrichtungen in Lichtenberg verschenkt! Das nenne ich mal ein Angebot, auf das wir für unsere geplanten Fahrradtouren sicherlich gern zurückkommen werden.

Richtig spannend war es auch bei der Veranstaltung im TagesTreff für Wohnungslose und Bedürftige in der Weitlingstraße. Auch, wenn sich zunächst nur eine Person unter den Besuchern des TagesTreffs für die Obdachlosen-Uni Berlin interessierte, so handelte es sich doch um eine besondere Person. Der nette Herr wohnt in einem Zelt mit Laminatfußboden! Hat er selbst ausgelegt, damit es trocken bleibt. Er hat eine Anhängerkupplung für sein Fahrrad gebastelt (zum Pfandflaschensammeln) und ist auch sonst handwerklich sehr geschickt, was Feuer machen etc. angeht. Er bietet sich an, die Fahrräder für die geplante Fahrradtour zu warten, ist an Holzarbeiten interessiert und würde auch gern an einem Kochkurs teilnehmen. Falls noch mehrere Leute an einem Kochkurs Interesse zeigen, wäre auch Maria vom Kochkurs der Obdachlosen-Uni im Bezirk Treptow-Köpenick bereit, wieder einzusteigen. Dazu bräuchten wir bloß wieder eine Küche, die wir nutzen dürfen und jemand der bereit wäre Marias Kochkurs zu sponsoren – schließlich lebt sie davon zu kochen und kann, natürlich, nicht alles ehrenamtlich machen. Der Kochkurs in Treptow-Köpenick wurde bis vor nicht allzu langer Zeit von der Volkshochschule in Treptow-Köpenick finanziert. Irgendwann ging das aber leider nicht mehr und der Kurs ging zu ende. Schade eigentlich, allen Beteiligten hatte es riesen Spaß gemacht und einmal war sogar das russische Fernsehen da. Lebensmittel könnte man bestimmt bei der Tafel anfragen. Ein Kontakt besteht jedenfalls.

Zurück zum Zeltschläfer vom Tagestreff in der Weitlingstraße. Er hatte die Idee, einen Survivalkurs an der Obdachlosen-Uni in Lichtenberg anzubieten. Wie laminiere ich meinen Zeltboden, wie koche ich draußen und wie überlebe ich in der „Stadtnatur“? Spannendes Thema, was sicherlich auch viele einmal ausprobieren möchten und man woanders sicherlich viel Geld ausgeben würde. Vielleicht sollten wir es beim Langen Tag der Stadtnatur anmelden?

Bei meinen Vorstellungsrunden in den Wohnungsloseneinrichtungen, um die Obdachlosen-Uni Berlin bekannt zu machen, ist mir aufgefallen, dass einige ihre Brille vergessen hatten und deshalb nicht meinen Fragebogen lesen konnten. Ich bin mir aber nicht sicher, ob nicht auch jemand dabei war, der Schwierigkeiten beim Lesen hatte. Als nächstes steht eine Anfrage beim neu gegründeten Bündnis gegen funktionalen Analphabetismus in Lichtenberg an, welches vor nicht allzu langer Zeit gegründet wurde. Es bleibt also spannend.

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